Krönung der Philosophie der „Elf Freunde“

Bericht aus den Weinheimer Nachrichten vom 30.06.2020.

Die Fußballer der TSG 91/09 Lützelsachsen steigen in die Landesliga auf / Größter Erfolg der Vereinsgeschichte – und das mit einem gewachsenen Team aus der eigenen Jugend

In der vergangenen Woche mussten die Fußballer der TSG 91/09 Lützelsachsen noch auf Abstand jubeln. Ab morgen dürfen sie zumindest im Training wieder in den Zweikampf einsteigen. Mit dem Aufstieg in die Landesliga gelang der roten TSG Historisches. Bild: Fritz Kopetzky Lützelsachsen. Man könnte die Fußballer der TSG 91/09 Lützelsachsen als den FC Heidenheim der Kreisliga bezeichnen. Seit Jahren leistet die „rote TSG“ hervorragende Jugendarbeit, besteht zu einem Großteil aus Eigengewächsen und zeigt, das, was den Sport eigentlich ausmachen sollte: Identifikation mit dem Verein, Spaß an der Gemeinschaft und dass Kicken mit den Kumpels eben Vorrang vor Geldverdienen hat. Dass die Saasemer mit dieser Elf-Freunde-Philosophie jetzt sogar den Sprung in die Landesliga geschafft haben, gleicht einem kleinen Fußball-Wunder. Oder eben auch nicht.

„Für die Landesliga haben wir von allem zu wenig – Erfahrung, Vereinsstruktur, Finanzen, Qualität der Einzelspieler. Aber wir haben unsere Leidenschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl. Zudem ein sehr junges, begeisterungsfähiges und lauffreudiges Team. Und wir haben die Euphorie der Aufstiegssaison“, sagt Rick Hutter, Schmied des größten Erfolgs der Abteilungsgeschichte. „Natürlich werden wir von Anfang an gegen den Abstieg spielen. Aber wir sind auch eine Überraschungsmannschaft. Das haben wir schon oft genug im Pokal bewiesen.“

Die Lützelsachsener verfolgten den Verbandstag des Badischen Fußball-Verbandes als Team mit. Und als das Abstimmungsergebnis der Delegierten zum Saisonabbruch und der Wertung, dass die Erstplatzierten auch aufsteigen, auf den Handys ankam, war der Jubel natürlich groß. Dass das Anstoßen im allerengsten Mannschaftskreis mit ausgestreckten Armen nicht den Feierlichkeiten entspricht, die man sich nach dem Meistertitel vorstellt, versteht sich bei den feierfreudigen Lützelsachsenern von selbst. Doch der Sommer ist ja gerade erst gestartet. „Wir hoffen schon noch auf eine entsprechende Feier. Da vertraue ich ganz unserer Abteilungsleitung“, sagt Hutter mit einem Augenzwinkern.

Erst einen Spieltag vor dem Saisonabbruch hatte die TSG 91/09 die Tabellenspitze vom SC Rot-Weiß Rheinau übernommen. Bitter für Rheinau, glücklich für Lützelsachsen – zumindest vom Zeitpunkt her. „Natürlich mussten wir in der Summe weniger leisten, statt 30 gab es nur 18 Spieltage. Aber verdient haben wir den Aufstieg schon. Nach 18 Spieltagen waren wir die Besten. Aber ich fühle schon mit Rheinau“, sagt der Trainer. Die Bilanz spricht dabei für Lützelsachsen: Mit 64 Treffern stellte die TSG 91/09 den besten Angriff der Kreisliga, 26 Gegentore bedeuten eine der besten Abwehrreihen. Das Torverhältnis gegenüber Rheinau war um 13 Tore besser, der direkte Vergleich endete 3:3. Das Glück war am Ende aufseiten der Bergsträßer, auf die jetzt eine hammerharte Aufstiegssaison wartet.

Hammerharte Saison wartet

Durch die fehlenden Verbandsliga-Absteiger wird die Landesliga mit 19 Mannschaften an den Start gehen. Sollte die Saison coronabedingt am ersten September-Wochenende starten können und aufgrund des Starts der Europameisterschaft 2021 schon am 11./12. Juni enden müssen, sind die 36 Spieltage nicht ohne englische Wochen zu bewältigen. Bislang hat sich die Mannschaft, die sich bis auf vier Spieler aus Eigengewächsen zusammensetzt, auf freiwilliger Basis zum Training getroffen. Einmal pro Woche will das Trainerteam das auch weiter anbieten, ehe es Ende Juli ernst wird. „Wir haben jetzt quasi seit dem 1. Dezember Pause. Das sind dann bis zum September neun Monate. Wir brauchen also definitiv eine intensivere Vorbereitung für eine Liga, in denen es schneller zugeht und die Gegner fitter sind. Tut mir leid für die Jungs, aber sie werden schwitzen müssen“, lacht Hutter. AT

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