Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 17. April 2019

Rücksicht nur auf den Papa der Freundin

Nach seinem Auftritt am Sonntag als „Doppelpacker“ wurde Fernando Cabrera zum Kofferpacker: Jetzt genießt der Offensivakteur von Fußball-Kreisligist TSG 91/09 Lützelsachsen gerade einen Kurzurlaub mit Freundin Chantale im schönen Amsterdam. Nach dem 5:2-Sieg im Verfolger-Duell über Enosis Mannheim kann der 23-Jährige das nur umso unbeschwerter tun – zumal er wie schon im Hinspiel, das ebenfalls mit 5:2 gewonnen wurde, erneut zwei Treffer zum Erfolg beisteuerte.
Insgesamt steht Cabrera bei elf Saisontoren und ist damit in Sachen persönliche Ausbeute in neue Sphären vorgestoßen: „Was die Tore angeht, läuft es so gut wie noch nie für mich“, sagt unser Fußballer der Woche. Und auch für sein Team, dem er seit 2016 angehört, läuft es in dieser Kreisliga-Saison gut wie selten zuvor. Acht Jahre nach dem Aufstieg aus der Kreisklasse A darf Lützelsachsen diesmal mehr denn je auf den Sprung in die Landesliga hoffen.
„Diesen Traum hat wohl jeder bei uns in der Mannschaft – und ich glaube, wir können das auch schaffen. Die Jungs sind alle ehrgeizig, gegen Enosis haben wir wieder eine gute Teamleistung gezeigt und gerade fußballerisch bewiesen, dass wir zu Recht so weit oben stehen“, sagt Cabrera mit Blick auf das Tableau, wo die TSG nach dem Patzer von Srbija Mannheim (0:2 gegen Germania Friedrichsfeld) nur noch einen Zähler hinter der Spitze liegt.
Zu Saisonbeginn schien diese Entwicklung nach nur vier Punkten aus den ersten fünf Spielen noch undenkbar. Allerdings kam der mäßige Auftakt aus Cabreras Sicht gar nicht mal unerwartet: „Neuer Trainer, neue Spielsysteme und taktische Vorgaben – da war es irgendwo klar, dass es Zeit braucht, um sich einzuspielen“, sagt der gelernte Elektroniker, der als solcher für einen in Weinheim ansässigen Zulieferer arbeitet. Inzwischen greift ein Rädchen immer besser ins andere.
Das gilt auch für die Beziehung mit Freundin Chantale, mit der er seit sieben Monaten zusammen ist –und die ihn seinerzeit auf dem Fußballplatz scheinbar zusätzlich beflügelte, denn nach dem ersten Doppelpack gegen Enosis folgte ein „Goldener Oktober“ mit Toren in allen Partien des Monats.
Im Jahresendspurt hielt sich Cabrera, dessen Vater Halbspanier ist, dann vor dem Tor etwas zurück – im Heimspiel gegen den VfB Gartenstadt II, das die TSG Anfang Dezember 6:3 gewann, war das aus plausiblem Grund der Fall: Denn beim Gegner saß zu dem Zeitpunkt noch der Vater seiner recht neuen Freundin als Trainer auf der Bank: „Das wusste ich vorher gar nicht. Daher war die Überraschung ziemlich groß“, erzählt Cabrera und muss schmunzeln. Klar, dass er es letztlich bleiben ließ, gegen Gartenstadt selbst ein Tor beizusteuern: „Sonst hätte ich wahrscheinlich nicht mehr vorbeikommen dürfen“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen.
In der heißen Phase kann er jetzt aber unbeschwert weiter ballern. Gegen die nächsten vier Gegner hat Cabrera im Hinspiel jeweils getroffen – und das darf gerade im nächsten Topspiel für Lützelsachsen, das an Ostermontag um 15 Uhr beim Dritten Spvgg Wallstadt steigt, gerne wieder so sein. „Wallstadt ist auch eine spielstarke Mannschaft. Zuletzt haben wir gegen sie aber eigentlich immer gut ausgesehen“, sagt Cabrera, der beim 3:1 in der Vorrunde das wichtige 2:1 erzielte (60.).
Vom Kurzurlaub in Amsterdam ist er bis dahin wieder zurück. Ohne Urlaub vom Tore schießen soll die nächste Reise von Cabrera und Co. dann die Richtung Meisterschaft sein.


Zur Person
Als Sohn eines Halbspaniers ist Fernando Cabrera des Spanischen durchaus mächtig: „Ich würde dort zumindest überleben können“, sagt der 23-Jährige mit einem Grinsen im Gesicht.
Fernandos älterer Bruder Miguel Cabrera war übrigens auch schon unser Fußballer der Woche als Spieler im Dress der TSG Lützelsachsen. Das ist ziemlich genau vier Jahre her und auch Miguel glänzte seinerzeit im Spiel zuvor mit einem Doppelpack.
Für Fernandos Lieblingsclubs, Schalke 04 und Real Madrid, lief die Saison sehr bescheiden.
Umso mehr hofft er darauf, mit der TSG den großen Wurf zu landen: „Wenn es als Fan schon nicht so läuft, dann ja vielleicht als Spieler“, sagt er vor der heißen Phase.

Doppeltor schütze am Wochenende gegen SV Enosis Mannheim