Originaltext aus den Weinheimer Nachrichten vom 13.Mai 2019

Es läuft die vierte Minute der Nachspielzeit. Im Derby der Fußball-Kreisklasse B zwischen der TSG Lützelsachsen II und dem TuS 02 Weinheim steht es 1:1. Ein Punkt würde dem Tabellenführer aus Lützelsachsen nicht zur vorzeitigen Meisterschaft in der Staffel III reichen. Noch einmal schlägt TSG-Spieler Denis Haklaj einen langen Ball in den Strafraum der Weinheimer. Daniel Mommertz köpft aufs Tor, TuS-Schlussmann Christopher Elgner kommt zwar noch an den Ball, doch der findet trotzdem seinen Weg ins Gehäuse: 2:1 für Lützelsachsen, die Meisterschaft ist drei Spieltage vor Saisonende perfekt.

Ein historischer Augenblick: Erstmals in der Abteilungsgeschichte wird eine zweite Mannschaft aus Lützelsachsen in der kommenden Saison in der A-Klasse um Punkte spielen. Nach dem entscheidenden Treffer in einem wahren Herzschlagfinale brechen bei der TSG und ihrem Anhang alle Dämme. Siegtorschütze Daniel Mommertz versinkt unter einer Masse aus Mitspielern, Betreuern und Fans. Dass der gefeierte Held des Treffers zum 2:1 eigentlich noch für die A-Junioren spielberechtigt und mit 18 Jahren der jüngste Spieler auf dem Platz ist, ist für den Lützelsachsener Verein mit seiner hervorragenden Jugendarbeit bezeichnend.

„Das sind die Gene des Vaters“, jubelt unmittelbar nach dem entscheidenden Saisontreffer an der Seitenlinie auch Andreas Mommertz, der Papa des Siegtorschützen. Als TSG-Trainer Enrique Cazorla einst beim SV Laudenbach seine Trainerkarriere startete, war Andreas Mommertz Mannschaftskapitän. Am Sonntag machte Cazorla nun als Trainer von Sohn Daniel sein Meisterstück mit Lützelsachsen – auch damit hat sich ein Kreis geschlossen.

Lange müssen die Lützelsachsener gegen eine aufopferungsvoll kämpfende TuS-Mannschaft allerdings um den Erfolg bangen. Die Gäste stellen in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft und führen durch ein Traumtor von Spielertrainer Dominik Schmitt auch verdient mit 1:0 (19.). Der Vorsprung hält bis zur 80. Minute. Ein Knackpunkt der Partie ist sicher ein Platzverweis für die Weinheimer. Daniel Wiegand sieht innerhalb weniger Sekunden wegen Meckerns erst die gelbe und dann die gelb-rote Karte (56.). Erst mit einem Mann mehr erarbeitet sich Lützelsachsen den entscheidenden Vorteil. Christian Mayser trifft nach einem tollen Zuspiel in die Spitze zum 1:1 (80.). Und dann kommt die nervenaufreibende Nachspielzeit.

„Ich musste nach dem Spiel erst einmal zwei Kopfschmerztabletten nehmen, so groß war die Anspannung“, sagte ein geschaffter TSG-Trainer Enrique Cazorla nach dem Schlusspfiff. „Ich freue mich auch sehr, dass unsere Mannschaft in der kommenden Saison komplett zusammenbleibt. Und egal, wie das Spiel ausgegangen wäre, ich habe schon vor der Partie zum Muttertag zur Mannschaft gesagt: Ich bedanke mich bei den Müttern aller Spieler, dass sie uns so tolle Jungs zur Verfügung stellen.“ In die Schar der Gratulanten reihte sich auch TuS-Spielertrainer Dominik Schmitt ein: „Glückwunsch an Lützelsachsen. Auch mit dem Kampfeswillen in der Nachspielzeit hat sich die TSG die Meisterschaft verdient.“ bk

TSG Lützelsachsen II: Reiboldt; Arnold (46. Gutsfeld), Ligendza, Mayser, Klohr, Haklaj, Csög, Mommertz (29. Matter/61. Mommertz), Schwerdtfeger (69. Stiegler/90. Kral), Yumuk (46. Bouramdane), Kral (77. Yumuk).

TuS 02 Weinheim: Elgner; Reinle, Hauke, Schmitt, Müller, Karaickos, Wiegand, Aydin (59. Linder), Fillmann (85. Aydin), Cincato (67. Mölich), Stadnik.

Stimmen zum Aufstieg

Daniel Mommertz, Siegtorschütze und jüngster Lützelsachsener Spieler: Eigentlich bin ich ja Innenverteidiger, doch als uns die Zeit davonlief, bin ich mit nach vorne. Zuerst habe ich gedacht, der Torwart wehrt meinen Kopfball noch ab. Erst als meine Mitspieler jubelten, wusste ich, der Ball ist drin. Das war gerade als A-Jugend-Spieler und „Neuankömmling“ ein unbeschreibliches Gefühl.

Thomas Stiegler, TSG-Urgestein und mit 34 Jahren ältester Spieler der Meistermannschaft: Die Meisterschaft ist die Bestätigung für eine Leistung über ein ganzes Jahr. Die neuen Trainer haben uns in dieser Saison entscheidend nach vorne gebracht. Ich mache auf jeden Fall weiter. Mit der zweiten Mannschaft in der A-Klasse zu spielen, ist für uns ja auch etwas Historisches.

Ibrahim Bouramdane, Mannschaftskapitän: Das ist überragend. Wir sind eben Mentalitätsmonster und geben nie auf. Am Ende hat sich unsere Geduld ausgezahlt.

Oliver Kratzer, Co-Trainer: Es ist ein geiles Gefühl, so kurz vor Schluss die Meisterschaft perfekt zu machen. Weltklasse. Und mit Daniel Mommertz hat ausgerechnet ein A-Jugend-Spieler, der uns in dieser Saison oft ausgeholfen hat, das Siegtor erzielt.

Torsten Bock, Spielausschussvorsitzender: Wir haben in dieser Saison sehr konstant gespielt und uns die Meisterschaft verdient. Die Mannschaft war einfach phänomenal und mit den Trainern haben wir einen guten Griff gemacht.